Das Siegermodell
Electronic Interface
Überraschend und vielfältig war das diesjährige Thema des SWK-Designwettbewerbs „Aufruhr der Systeme – Die Demokratiebewegung in der Mode“ von den jungen Kreativen interpretiert worden – individuell und eigenwillig waren die Entwürfe dazu.
Am Montag, 12.09.2011, stand nun auch das Siegermodell fest. Das Outfit „Electronic Interface“ von Belinda Maria Gredig erhielt den diesjährigen Jurypreis. Die Jury, die das Sieger-Outfit gekürt hat, bestand in diesem Jahr aus Carsten Liedtke, Gerd Müller-Thomkins (Geschäftsführer DMI), Roland Schweins (Gründer und Geschäftsführer des Online-Modeportals styleranking.de) sowie Yvonne Brandt (Redakteurin bei der Westdeutschen Zeitung Krefeld).
Präsentation des Siegermodells am 12.09.2011:
Tragbares Gesamtkunstwerk
Belinda Maria Gredig ist nach dem übereinstimmenden Votum der Jurymitglieder die Gewinnerin des diesjährigen Designwettbewerbs der SWK. „Die 21jährige Designerin hat mit ihrer Outfit- Konstruktion ,Electronic Interface’ ein tragbares Gesamtkunstwerk zum aktuellen Thema des Design-Contests „Aufruhr der Systeme – die Demokratiebewegung in der Mode’ geschaffen“, begründet Gerd Müller-Thomkins die Entscheidung. „In ihrem Modell fließen auf erstaunliche Weise unterschiedliche, aktuell wahrnehmbare Strömungen im Zeitgeist zusammen. Natur, Mensch und Technik ergeben auf den Ebenen der Farben und Mustermotive des Materials, der Schnittgestaltung und der Silhouetten-Konstruktion wie auch der elektronischen Gesamtinszenierung eine gestalterisch einmalige Komposition,“ erläutert Gerd Müller-Thomkins weiter.
In dem unikaten Beitrag von Belinda Maria Gredig wird eine Gestaltungsfreiheit deutlich, die sich abseits herkömmlicher Systembeschränkungen der Mode bewegt und scheinbar widersprüchliche Einflussfaktoren zu einem stimmigen Outfit vereint. Damit erfüllt sie die Anforderung der Themenstellung mit einem Entwurf, der auf exklusive Weise den derzeitigen Demokratisierungsprozess in der Mode widerspiegelt. An Mensch und Tier orientiert und zudem technisch äußerst lebendig ist das Modell von Belinda Maria Gredig.
Das Outfit „Electronic Interface“ der jungen Niederländerin, die an der Fahmoda Hannover studiert, versinnbildlicht eine Kombination aus menschlichen und tierischen Strukturen im Zusammenspiel mit tragbarer Elektronik. „Das Besondere dieser Arbeit liegt darin, dass technische, animalische und menschliche Aspekte gleichsam in Symbiose miteinander verbunden sind“, beschreibt die Designerin selbst ihr Modell. Und weiter: „Aufruhr der Systeme - weil die Technologie, die mittlerweile immer mehr zu einer intelligenten künstlichen Lebensform herangereift ist, sich nahtlos in die organischen Lebenswelten von Mensch und Tier eingefügt hat“.
Leder als zweite Haut
Die Siegerin hat die Schlüsselelemente ihrer Inspirationsquelle in den Mustern und der Farbenvielfalt aus dem Reich der Schmetterlinge und deren organisch wirkenden Flügelformen, die sich auf den menschlichen Körper projezieren lassen, gefunden. Für ihr Modell hat sie zarte digital bedruckte Habotai-Seide mit einem abstrahierten Muster eines Falters - als lichtdurchlässiger Teil - mit lichtundurchlässigem Velours-Leder, das Formen des menschlichen Knochengerüstes aufgreift, verarbeitet. „Leder diente schon in der Steinzeit als zweite Haut, und somit verweist der Einsatz dieses Materials implizit auf den Evolutions-Aspekt in meinem Modell“ erläutert die Studentin der Fahmoda Hannover ihre Intention. „Da wir in einer Zeit des technologischen Fortschritts leben, stellt sich also die Frage, ob es dann nicht auch legitim ist, Kleidung technisch aufzurüsten, als Spiegel unserer Zeit.“
Die 21-Jährige hat die Frage in ihrem Modell selbst beantwortet: elektronische Licht-Effekte geben dem Outfit Transparenz - und selbst die ausgefallenen hochhackigen Plateau-Schuhe und Gamaschen mit blinkenden Leuchtdioden unterstreichen die organisch-technische Verbindung.